[Rezension] Vox von Christina Dalcher

[Rezension] Vox von Christina Dalcher

Heute zum Release von Vox, darf ich euch meine Meinung zu einem der provokantesten und gleichzeitig erschreckendsten Bücher zeigen, die ich in letzter Zeit gelesen habe und das sich eigentlich niemand entgehen lassen sollte.

 

VOX

von Christina Dalcher

Inhalt:

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz.

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Das ist der Anfang.

Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.

Aber das ist nicht das Ende.

Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.
Bild- und Textrechte: S. Fischer Verlag


Eckdaten:

Erschienen: 15. August 2018
Verlag: S.Fischer
(Vielen Dank an den Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar)
Seiten: 400
Preis: Hardcover 20,00€, EBook 16,99€ (aktuell 6,99€)
ISBN: 978-3-10-397407-2
Weitere Informationen zu Vox:
Direkt bei S.Fischer
Bei Amazon.de

Hier findet ihr die Leseprobe von Vox


Meine Meinung

*Ihr könnt uns die Worte nehmen, aber zum Schweigen bringen könnt ihr uns nicht! (Pos. 4779)*
Die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber auch ein Land, in dem die Religionsfreiheit groß geschrieben wird. In dem Fernsehprediger gutes Geld verdienen. Doch was passiert, wenn ein radikaler Prediger davon spricht, wieder zurück zum gottgewollten Gleichgewicht zwischen Mann und Frau zu gelangen. Immerhin ist der Mann von Gott erschaffen und die Frau aus seiner Rippe um ihm zu dienen, gehorchen und Kinder zu gebären. Was geschieht, wenn dieser Prediger plötzlich eine Bewegung auslöst und selbst der Präsident die Reine Menschheit zurückwill? Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden aufgelöst und Homosexuelle in Straflager verbracht. Männer übernehmen alle Machtpositionen, ja sogar alle Arbeitspositionen, denn die Frauen sind nur noch zu Hause für die Kinder da. Überwacht, durch Kameras. Um den Gegenwillen zu kontrollieren, nimmt man ihnen die Stimme und begrenzt ihre Wörter auf 100, überwacht durch modernste Technik.

*Wir sind als Frauen aufgerufen, zu schweigen und Gehorsam zu leisten. (Position 1376)*


Genau dieses dystopische Szenario lässt uns Christina Dalcher in VOX erleben. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erlebt den wohl schlimmsten Rückschlag der Geschichte. Alles was gegen die biblischen Grundwerte verstößt, wird ausgemerzt. Ich war absolut gefesselt und konnte gar nicht genug von diesem erschreckenden Szenario bekommen. Besonders schockierend fand ich den Gedanken im Hinterkopf, dass dies alles genau so geschehen könnte, dass es solchartige Massenbewegungen bereits gab.

*Vielleicht ist es bei den Nazis in Deutschland genau so gelaufen, bei den Serben in Bosnien, den Hutus in Ruanda. (Position 1635)*


Wir erleben die Geschichte aus Sicht von Dr. Jean McClellan, die führende Wissenschaftlerin in Neurolinguistik. Zumindest war sie das. Bis das Militär kam, sie ihrer Stelle enthob und ihr einen Wortzähler um das Handgelenk schloss. Seit diesem Tag ist sie Mutter, Hausfrau und muss jeden Abend zusehen, wie ihr Mann und ihre Söhne sich über Alltägliches unterhalten, während sie und ihre Tochter schweigen. Allerdings muss sie auch erleben, wie sich ihre Kinder, Freunde, Nachbarn nach und nach in das System einfügen.

*Ich habe mir oft überlegt, wie sich Kinder in Monster verwandeln, wie sie lernen, dass Töten richtig ist und Unterdrückung gerecht, wie sich in einer einzigen Generation die Welt auf ihrer Achse drehen und in einen Ort verwandeln kann, der nicht wiederzuerkennen ist. (Position 1635)*


In ihrer provokanten Art rüttelt Christina Dalcher den Leser wach, denn auch die Prota muss sich die Frage stellen, was ein Einzelner denn bewegen kann. Ob sich etwas hätte verhindern lassen können, wenn sie vorher ihre Stimme erhoben hätte, wenn sie wählen gegangen wäre, wenn sie nicht in der allgegenwärtigen Lethargie festgehangen wäre. Und zeigt doch auch auf, dass es nie zu spät ist, sich zur Wehr zu setzen.
Auch wenn es einige Passagen gibt, die vielleicht etwas zu gewollt und vorhersehbar waren, vor allem gegen Ende, störten sie mich in dieser Form rein gar nicht, denn das große Ganze ergab einfach ein absolut erschreckendes Bild. Und es machte mich so wütend. Die Autorin hat es wirklich geschafft, dass ich während des Lesens einen absoluten Hass auf dieses System und alle Mitwirkenden, ob jetzt aktiv oder passiv, entwickelt habe.
Gelungen ist ihr das mit Sicherheit auch durch die Umsetzung und ihren Schreibstil. Dadurch, dass wir VOX aus den Augen und über die Gedanken von Jean McClellan erleben, sind wir ganz nah am Geschehen. Ich konnte die Wut, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit einfach spüren. Hierdurch erlebte man hautnah mit, was durch dieses radikale diktatorische System einer Familie mit 4 Kindern angetan wird und wie weitreichend es doch ist. Und der Schreibstil ist so unheimlich fesselnd und einnehmend. Er ist ehrlich, roh und direkt. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen und wurde immer wieder durch die Handlungen erschüttert, wollte es gar nicht wahr haben.
Von mir bekommt Vox deshalb eine ganz klare Leseempfehlung, denn es beinhaltet nicht nur eine wichtige Botschaft, es zeigt auch provokant auf, was geschehen kann, wenn wir alle unsere Stimme nicht benutzen, wie schnell sich eine Regierung wandeln kann, wie hilflos man dem System ausgeliefert ist.

Mein Fazit:

Mit Vox ist Christina Dalcher ein Debut gelungen, das seinesgleichen sucht. Eine absolut erschreckende, aufrüttelnde und doch so realitätsnahe Dystopie, die das Bild der Frau radikal verändert. Ich wurde von der Geschichte von Anfang an in den Bann gezogen und kam nicht mehr davon los. Und auch nach dem Lesen wird mir das Buch sicher noch lange im Gedächtnis bleiben. Was würdest du tun, um frei zu bleiben? Ich kann euch das Buch sehr ans Herz legen, ihr werdet genauso schockiert sein wie ich.

(5 von 5 Sternen in den gängigen Portalen)

 

Marion von Books have a soul sagt:

Vox ist ein Werk, das mich nicht mehr losgelassen hat. Es ist ein Buch, dass auch nachträglich noch im Gedächtnis bleibt, über das man nachdenkt. Die Wut und die Angst waren für mich fast greifbar.

 

Loading Likes...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.