[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O‘Neill

[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O‘Neill

Du wolltest es doch

von Louise O‘Neill

Inhalt:

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?

Ein aufwühlendes, vielfach preisgekröntes Buch.

Bild- und Textquelle: Carlsen Verlag


Eckdaten:

 

Erschienen: 25. Juli 2018

Verlag: Carlsen

(Vielen Dank für das Rezensionsexemplar)

Seiten: 368

Preis: Hardcover 18,00€

ISBN: 978-3551583864

Weitere Informationen zum Buch:

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Meine Meinung:

 

Als ich Du wolltest es doch in der Verlagsvorschau von Carlsen gesehen habe, stand für mich fest, dass ich das Buch lesen muss. Ein Thema wie Vergewaltigung/Missbrauch ist so wichtig und ich freue mich immer wieder, wenn ein Autor den Mut hat, dieses aufzufassen. Deswegen war ich auch echt super gespannt wie Louise O’Neill dieses Thema mit Victim Blaming verknüpft.
Und ich muss ehrlich sagen, so ernst dieses Thema ist und so wichtig, dass man darüber spricht und endlich dieses Vorurteil beseitigt, dass man selbst schuld an der abscheulichen Tat hat, so wenig gefiel mir allerdings das Buch. Ich persönlich würde auch so weit gehen und es keinem jüngeren Leser empfehlen, da es eine falsche Botschaft vermitteln könnte, wenn man nicht genau darüber nachdenkt. Mich hat dieses Buch sehr frustriert und wütend gemacht, wütend auf mich selbst und am Ende war die Ernüchterung und die Frustration noch größer.
Und das war auch mit der Art der Umsetzung geschuldet, die einfach nicht meins war. Mich hat dieses Buch nicht wirklich zum Nachdenken angeregt, dazu war es mir zu lenkend. Ich mag es einfach nicht, wenn man mir im Buch schon eine Meinung aufzwingt und mich dadurch wach rütteln will. Das war mir in Du wolltest es doch einfach zu sehr, aber dazu nachher mehr.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, Emma vor der schrecklichen Nacht und Emma ein Jahr später. Und auch ich muss das Buch für mich in zwei Teile aufteilen, denn gerade der Erste machte mich unheimlich wütend. Wir lernen Emma in einem sehr ungewöhnlichen Schreibstil kennen, den ich aber sehr mochte. Er ist nah, roh und authentisch. Emma erzählt nicht nur, sie zeigt uns auch ihre Gedanken, das fand ich sehr gelungen. Doch hier fing es schon an, dass ich zu sehr gelenkt wurde. Jeder, der das Buch gelesen hat, wird Emma hassen. Emma ist selbstverliebt, überheblich, arrogant, eine miese Freundin und springt mit jedem Kerl ins Bett wobei sie auch Alkohol und Drogen nicht auslässt. Und dann passiert diese abscheuliche Tat. Ich saß nur da und habe mit den Schultern gezuckt, weil es mich nicht tangiert hat. Genau das ist von der Autorin sicherlich gewollt, aber ich wurde einfach nur wütend, weil man mich genau in diese Richtung gelenkt hat. Ja, es ist provokant geschrieben und ich persönlich finde auch etwas überzogen. Dennoch hätte ich mir eine andere Prota gewünscht. Für mich war die Frustration schon so hoch, dass ich kurz davor war, das Buch wegzulegen.
Dennoch wollte ich wissen, wie Emmas Geschichte ausgeht, denn einnehmend ist das Buch, das muss man ihm lassen, in welcher Form auch immer für jeden Einzelnen.
Und ich muss sagen, der zweite Teil konnte mich zunächst mehr für sich einnehmen. Er war sehr gefühlvoll, deprimierend, authentisch und bedrückend.
Sehr gefallen hat mir, wie die Autorin die Hetze in den sozialen Medien einbaut. Es war wirklich bedrückend zu lesen, wie schnell man sich doch in der Anonymität des Internets zu unterirdischen Kommentaren hinreißen lassen kann, das fand ich sehr realistisch. Auch die innerfamiliäre Situation fand ich sehr gut umgesetzt und verdeutlicht dass nicht nur das Opfer betroffen ist.
Allerdings muss ich auch hier sagen, dass mir das Ganze zu lenkend geschrieben ist. Unterschwellig immer diese aufgezwungene Frage ob sie vielleicht doch selbst Schuld daran ist, verstärkt durch die eingebrachten Medien. Das hat mir gar nicht gefallen und sorgte bei mir wieder nicht zum Nachdenken, eher zum Gegenteil. Die letzten Kapitel und vor allem das Ende war für mich dann nur noch frustrierend. Ich konnte mir zwar schon denken, dass uns die Autorin genau dahin lenkt, aber ich war echt so sauer und frustriert. Und ich verstehe auch, warum die Autorin das Buch so enden lässt. Es trifft einfach genau die Realität, dennoch war es einfach nicht mein Geschmack und ich hätte mir etwas anderes gewünscht um die Botschaft besser darzustellen.
Auch fand ich es bei diesem Thema sehr schade, dass mich Du wolltest es doch emotional nicht wirklich erschüttert hat, da habe ich schon ganz andere Bücher zu diesem Thema gelesen. Hier überwog einfach nur die Frustration.

Mein Fazit:

Du wolltest es doch thematisiert ein sehr wichtiges Thema, das man nicht totschweigen sollte. Niemand außer den Tätern trägt die Schuld an Vergewaltigung/Missbrauch. Allerdings hat mir die Umsetzung des Buches nicht wirklich zugesagt, auch wenn es authentisch, roh und sehr real ist. Mir persönlich war das Buch zu lenkend. Ich mag es nicht, wenn man mich beim Lesen zu sehr in eine Richtung drängt. Ich stehe dem Buch sehr zwiegespalten gegenüber und kann nur sagen, dass jeder selbst entscheiden sollte, ob er es lesen möchte. Denn eins muss man Du wolltest es doch lassen: es polarisiert, man redet über das Thema. Ein positiver Nebeneffekt. Das Buch selbst war einfach nicht mein Geschmack.

 

Weitere Meinungen:

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9 Gedanken zu „[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O‘Neill

  1. Hey du,

    eine weitere Meinung die mein Drang das Buch bald lesen zu müssen ein wenig dämpfte. :O Mal schauen wann ich es vom Reader befreien werde. :)

    Benny.

  2. Hi,
    ich kann deine Meinung sehr gut verstehen, allerdings ist es gerade dieser Punkt, das die Prota eine ziemlich miese unaustehliche Person ist der das passiert. Als Leser ertappt man sich wie es passiert das man denkt “selber schuld” es führt einen vor Augen das man eben nicht so denken sollte! Egal wie der Mensch ist, das rechtfertigt nicht das sowas mit einem gemacht wird. Ich finde es ist gut rübergekommen :)

    Liebe Grüße
    Kati

    1. Huhu Kati,

      ja, ich verstehe das schon, was die Intention der Autorin ist, deshalb mag ich es trotzdem nicht. Ich hätte es einfach anders besser gefunden. Mich hat das nämlich nicht wachgerüttelt und schockiert, mich hat es eher frustriert, dass man diesen Weg geht und mich so sehr dahin lenkt. Aber das fasst ja jeder anders auf. Hauptsache man spricht darüber.

      Liebe Grüße, Kerstin

  3. Hey Kerstin,
    ich habe das Buch ebenfalls gesehen und musste es unbedingt haben. Doch bisher habe ich es nicht geschafft es zu lesen. Deine Rezi ist etwas ernüchternd, aber verständlich. Nun bin ich sehr gespannt zu erfahren, wie meine Empfindungen sich gestalten.
    Liebste Grüße
    Nadine

    1. Huhu Nadine,

      ich wünsche dir dennoch viel Spaß beim Lesen, auch wenn das wohl der falsche Begriff hier ist. Nicht von meiner meinung abhalten lassen, das empfindet ja auch jeder anders.

      Liebe Grüße, Kerstin

  4. Liebe Kerstin,

    eine sehr interessante Rezension zu dem Buch. Ich kann deine Sicht gut verstehen, auch wenn ich wie Kati der Meinung bin, dass es Sinn macht das Buch so zu schreiben – um halt genau an diesem Punkt den Lesern vor Augen zu führen, wie schnell man selbst in die Rolle des Verurteilers und des Victim Blamings gerät. Ein sehr, sehr schwieriges Thema und ich bin gespannt, welche Wirkung das Buch auf mich hat.

    Liebe Grüße
    Miriam

    1. Hallo Miriam,

      verstehen kann ich das auch, dass sie das so geschrieben hat. Dennoch bleibt es Geschmacksache und da trifft es meinen nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mich in der Materie etwas auskenne. Da hat ja jeder einen anderen Bezug dazu.
      Bin gespannt wie das Buch auf dich wirkt.

      Liebe Grüße, Kerstin

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